Sabine & Roger's

Milonga am Zoo

Was ist Tango?

Beim Tango Argentino gibt es diverse Stilrichtungen sowie unterschiedliche Rhythmen. Die sogenannte Milonga z.B. kann - wie der traditionelle Tango - einen 4/4 Takt haben, ist jedoch gleichzeitig rascher, fröhlicher und verspielter als dieser. Der Tango-Vals - im 3/4 Takt - ist meist eher romantisch. Der Tango Argentino ist nicht zu verwechseln mit dem Tango, den man im üblicherweise in den Tanzschulen lernt: Diese Art von Tango entstand aus den frühesten Formen des Tango Argentino, die lange vor dem 2. Weltkrieg den Weg nach Europa fanden. Seitdem fand eine völlig unabhängige Entwicklung statt. Der europäische Tango ist rhythmisch sehr gleichmäßig und wird ziemlich ruckartig und gradlinig getanzt, während der Tango Argentino auf variablen Rhythmen und weichen, verschlungenen Bewegungen aufbaut.

Tango - was ist das nun eigentlich ?

Tango: Ein Begriff, bei dem jeder sofort weiß worum es sich handelt, jeder weiß wie und wo er entstand und was er bedeutet. Doch fragt man im Detail nach und stellt die Antworten nebeneinander, merkt man schnell, dass es ebenso viele unterschiedliche Meinungen wie befragte Personen gibt: Ein erotischer, frivoler Tanz, in Bordellen entstanden, eine altmodische Musik im 4/8 Takt, weinerliche Liedtexte ("das Jammern des Gehörnten"), messerkämpfende Compadritos in finsteren Kneipen - all diesen Bildern und Aussagen begegnet man.

Für den Kenner jedoch, ist der Tango Ausdruck einer städtischen Subkultur, die als Musikform, Tanz und Lied in Erscheinung tritt, entstanden aus dem Zusammentreffen ur-amerikanischer, afrikanischer, west- und osteuropäischer Kulturen am Rio de la Plata gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Kulturform, die aus den Massen selbst entstanden ist und von ihnen über Jahrzehnte weiterentwickelt und organisiert wurde. Der Tango gaukelt kein Weltbild vor, in dem alles sein gutes Ende findet, ist nicht fröhlich, so wie es die Herrschenden gerne sehen. Der Tango reflektiert vielmehr die Nöte des einfachen Menschen in einer schwierigen Welt und enthält dieses Element des "Und jetzt erst recht! Mir geht es schlecht, meine Liebste hat mich verlassen, aber ich gebe nicht auf. Ich singe und tanze meinen Kummer, genieße mein Elend!"

Tango heute

Vor dem Hintergrund des inzwischen stark veränderten Umfelds - Buenos Aires ist nicht mehr ein rasend schnell wachsendes Städtchen voller Einwanderer und Bordelle, sondern eine moderne Weltstadt - hat sich auch der Tango als Kulturform von Buenos Aires gewandelt: Die Musik wurde von ausgebildeten Musikern wie Astor Piazzolla zu einer hochkomplizierten, von klassischen Musikstudenten gepflegten Kunstform entwickelt. Die Arrangements der guten Orchester erfordern hervorragende Musiker. Die heutigen Showtänzer verfügen immer häufiger über eine fundierte Tanzausbildung. Und die Texte enthalten nicht selten surrealistische Elemente.

Ein jeder, der sich näher mit dem Phänomen Tango befasst, weiß dennoch, dass es sicher weiterhin um Tango handelt. Warum ? - Als begeisterte Tänzer und Hörer des Tangos glauben wir, dass es daran liegt, dass die Musik immer noch die gleichen Gefühle anspricht. Derselbe Rhythmus, dieselben Harmonien sprechen gleichzeitig Melancholie und Lebensmut an und ermöglichen somit ein Entgleiten in andere Welten. Das Beenden eines harmonisch getanzten Tangos zu guter Musik kann wie das Erwachen aus einem Traum sein.

Tango - Eine Form der Kommunikation

Der Tanz ist keineswegs erotisch oder frivol wie Nichttänzer oft meinen, vielmehr ist er ein getreues Abbild einer sehr engen Paarbeziehung. Gut getanzt bedeutet er: Uneingeschränkte Aufmerksamkeit hin zum und Rücksicht auf den Partner, ohne dabei die Umgebung außer Acht zu lassen. Sanfte Vorschläge des einen Partners und die Reaktion des Anderen, wobei die Rollen von außen unbemerkt immer wieder getauscht werden. Aufmerksames Hören der Musik und der dauernde Versuch, sie so gut wie möglich zu interpretieren. Verantwortlichkeit beider Partner für den gesamten Tanz. Aber auch: Sich darstellen können und dem Anderen Raum dafür lassen. Den Anderen immer wieder überraschen. Fehler des Anderen ausgleichen oder neue Figuren/Optionen daraus entwickeln.

Schlecht tanzen bedeutet alles andere: Weder den Partner, die Umgebung noch die Musik zu beachten. Sich selbst gut darstellen, aber dem Anderen keine Chance dazu geben. Grob führen und bei jedem "Fehler" stehenbleiben und schimpfen. Passiv bleiben und warten, dass der andere alles erledigt.

Um gut tanzen zu können, sind nur einige wesentliche Elemente erforderlich: Wissen, was gut tanzen bedeutet und danach suchen (manch einer will nur Schritte und Geheimcodes lernen, sich aber nicht wirklich auf den Tango einlassen). Aufmerksamkeit, Gleichgewicht und Vertrauen zum Partner üben. Kenntnisse der wesentlichen Basiselemente des Tango (Grundschritt und Ochos) und ihre Kombinationsmöglichkeiten erwerben. Der Rest ist tanzen, tanzen und nochmals tanzen.

Da der Tango ein fast völlig improvisierter Tanz ist und jeder frei ist, neue Elemente hinzuzufügen, ergibt sich alles andere aus der Übung. Dies alles macht den Tango zum interessantesten der uns bekannten Paartänze und führt zu seiner Akzeptanz auf der ganzen Erde. Seit einigen Jahren gibt es in beinahe jeder europäischen, japanischen oder nordamerikanischen Stadt die Möglichkeit, Tango zu lernen und zu tanzen. In Buenos Aires sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt: vom modernen Theaterstück bis zur nostalgischen Milonga ist alles zu finden.